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What can you learn from Paul Potts & Kerri Strug?

by Nuno F. Assis on 12. August 2008

Herzlich Willkommen. Schön, dass Sie uns wieder besuchen!

Liebe Leserin, Lieber Leser,

sicher werden sie über meine Frage der Woche heute irritiert sein. Wenn Sie weiterlesen und meinen Gedanken folgen, werden Sie feststellen, dass am Ende der heutigen Frage der Woche eine sehr interessante Erkenntnis auf Sie wartet.

Doch bevor wir weiter gehen, habe ich eine Frage an Sie:

Haben Sie Lust an einem besonderen Experiment?

Ja? Gut.

Dann schreiben Sie sich, im Rahmen der Olympiade 2008 in China, in den nächsten Wochen, in einer Ihrer Lieblingssportarten die ersten 4 Plätze der Gewinner auf. Also Gold, Silber, Bronze und Platz Vier. Legen Sie dann diesen Zettel in einen Umschlag und kleben Sie ihn zu. Legen sie den Umschlag dann an einen Ort, wo Sie ihn wiederfinden können. Diesen Umschlag werden Sie in ca. 6-8 Wochen brauchen. Dann werde ich Ihnen eine Frage der Woche stellen, zu der Sie den Umschlag dann brauchen werden. Okay? Ich freue mich schon sehr darauf.

Gehen wir nun also ein Stückchen tiefer und widmen wir uns der heutigen Frage der Woche.

Kennen Sie Paul Potts?

Sie kennen Paul Potts nicht?

Dann kennen Sie bestimmt die Werbung der Deutschen Telekom AG, die derzeit in allen Fernsehkanälen ausgestrahlt wird, in der ein junger unscheinbarer Mann vor einer Jury singt, ähnlich der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar”, und mit seiner Stimme alle Zuhörer zu Tränen rührt und begeistert, richtig?

Nun wieso frage ich Sie heute, ob Sie Paul Potts kennen? Eine wirklich interessante Frage.

Wenn Sie sich den Lebenslauf und Werdegang von Paul Potts ansehen, dann wirkt dieser alles andere als der Lebenslauf eines möglichen Superstars. Lesen Sie selbst:

Paul Potts stammt aus einem einfachen Elternhaus. Seine Mutter war Kassiererin und der Vater Busfahrer und beide zeigten kein Interesse an klassischer Musik. Inspiriert wurde die Leidenschaft von Paul Potts für die Oper durch eine ältere Aufnahme von Jose Carreras.

Er kaufte damals diese billige Aufnahme von Carreras und erinnert sich noch heute daran, dass er zum ersten Mal „Che Gelida Manina” aus der Oper „La Boheme” hörte. Bis heute ist „La Boheme” seine Lieblingsoper. Er bildete seine Gesangstimme durch privat finanzierten Unterricht aus. Das Geld dafür musste er sich immer wieder hart erarbeiten.

Im Jahre 1999 nahm er an der britischen Talentshow My Kind of Music teil und gewann 8.000 britische Pfund, was einem Wert heute von ca. € 13.000,- entspricht. Mit Hilfe dieses Gewinns nahm er in Nord-Italien Unterricht an Opernschulen unter Vilma Vernocchi & Katia Ricciarelli, zwei bekannten Lehrerinnen der Opernkünste, und wurde in die Meisterklasse aufgenommen. Für seine Ausbildung bezahlte er rund 12.000 £ (ca. 18.000 Euro).

Zwischen den Jahren 1999 und 2003 trat er auf verschiedenen Bühnen als Tenor ohne Gage auf. Herauszuheben sind seine Auftritte an der Amateuroper Bath Opera im Jahre 2001 als Don Carlos in der Oper Don Carlos und als Radames in der Oper Aida, beide von Giuseppe Verdi. Seine Auftritte wurden zwar im Fernsehen und Radio veröffentlicht, führten jedoch nicht zu seinem Durchbruch.

Durch schwere Schicksalsschläge und finanzielle Probleme wurde es für ihn im Jahre 2003 unmöglich, seine Karriere als Sänger weiterzuführen. Bis zu seinen berühmten Auftritten im Jahr 2007 arbeitete Potts ab 2003 zunächst zwei Jahre in der Supermarktkette und danach als Verkäufer von Mobiltelefonen wo er im Jahr 2006 zum leitenden Angestellten aufstieg.

Wie Sie also selbst lesen konnten, alles andere als ein Werdegang, der geradezu danach schreit erfolgreich zu werden.

Und dann kam der besondere Moment im Jahre 2007. In Großbritannien suchte die Fernsehshow „Britain´s got talent” im Rahmen von Castings, wie wir Sie hier von Shows wie „Deutschland sucht den Superstar” oder „Das Supertalent” kennen, Teilnehmer für die Show.

Schauen Sie sich einmal nachfolgend das Video an, das Paul Potts bei seinem ersten Auftritt im Rahmen des Castings zeigt. Achten Sie dabei auf seine Ausstrahlung, die sich verändert wenn er beginnt zu singen und achten Sie auf die Reaktionen der Jury, die auf seine Aussage hin, er sei hier um das zu tun, für das er geboren sei, mit einem süffisanten Schmunzeln reagiert und als er Oper singen will, dies durch die ausdrucksweise in den Gesichtern fast schon abgeschrieben hat. Achten Sie auch auf die Reaktionen des Publikums, die sich im Laufe seines Auftritts verändert. Klicken Sie einfach auf das Video, damit es sich lädt und dann von alleine startet. Kleiner Tipp: Sie sollten Lautsprecher an Ihrem Computer haben, damit Sie hören was dort passiert.

Beeindruckend nicht wahr? Und nun habe ich eine Frage an Sie:

Wie oft hätten Sie an Stelle von Paul Potts aufgegeben?

Lesen Sie noch einmal den Werdegang durch. Einfache Verhältnisse. Keiner in der Familie hat wirkliche Interesse an klassischer Musik. Keine Geld vorhanden um sich eine Ausbildung als klassischer Opernsänger leisten zu können. Sie strengen sich an. Gewinnen ein paar Wettbewerbe. Treten auf ohne Honorar. Treten sogar im Fernsehen auf und es wird ausgestrahlt und der Durchbruch gelingt Ihnen nicht.

Wie oft hätten Sie aufgegeben?

Wären Sie dann noch einmal zu einer solchen Casting-Show gegangen, bei der Sie im Casting bereits belächelt werden, als Sie Ihre Passion offenbaren?

Wie oft hätten Sie aufgegeben?

Stellen Sie sich diese Frage einmal ganz ehrlich. Wie oft?

Und was glauben Sie hätte Paul Potts gemacht, wenn er im Laufe der Show rausgeflogen wäre?

Hätte er aufgegeben?

Wir wissen es nicht, da dass Leben sich dazu entscheiden hat das Engagement, den Willen durch zu halten und die Kraft von Paul Potts zu belohnen. Doch wenn man sich seinen bisherigen Werdegang ansieht, dann kann man davon ausgehen, dass er nicht aufgegeben hätte.

Oft stellt uns das Leben vor schwierige Prüfungen. Prüfungen, in denen wir uns selbst beweisen können, ob wir bereit sind für überdurchschnittlichen Erfolg. Man könnte fast meinen das Leben testet uns. Und immer wieder werden wir vor die Wahl gestellt aufzugeben oder weiter zu machen. Doch wofür entscheiden wir uns?

Nun das Beispiel von Paul Potts ist nur eines von vielen Beispielen und manche von Ihnen werden sagen, ja gut aber er hatte ja einen guten Job und an sich hat er ja nicht wirklich etwas riskiert. Manche werden sagen, ja wenn ich so singen könnte, dann hätte ich das auch gemacht. Er hat ja nichts riskiert. Okay.

Doch wie sieht es aus wenn es darum geht etwas zu riskieren?

Kennen Sie Kerri Strug?

„Herr Assis, wer ist das nun schon wieder?”

Nun an sich kennen die meisten Kerri Strug nicht und bis zum Jahre 1996 war sie auch nur einem kleineren Kreis von sportbegeisterten Fans bekannt. Doch dann kam die Olympiade 1996 in Atlanta.

Kerri Strug war damals eine der Teilnehmerinnen des US-Damenmannschaft im Turnen. Sie war eher zufällig ins Team gerutscht, da ihre Qualifikation für die Olympiamannschaft nicht perfekt war und sie durch die Verletzung einer Kollegin ins Team nachgerutscht war. Doch das Leben hatte eine besondere Aufgabe für sie.

Es war das Finale der Damen-Teams – der Pferdsprung. Alle Teilnehmer waren bereits gesprungen und das US-Team lag knapp hinter dem Team der damaligen Sowjetunion zurück. Das US-Team war unter Experten, als das beste Team das die USA bisher jemals zu einer Olympiade geschickt hatte bekannt. Sie trugen den Spitznamen: The Magic Seven. Es war ein harter Wettbewerb und erwartungsgemäß lieferten sich beide Teams ein hartes Rennen. Das Team der Sowjetunion führte vor den Amerikanerinnen.

Damit Sie mich richtig verstehen. Es geht mir hier nicht um das in Erinnerung rufen des klassischen Ost/West Feindbilds, dass den Kaltebn Krieg beherrschte. Nein, es geht um einen ganz besonderen Moment im Leben eines kleinen junden Mädchens, dass mit einer aussergewöhnlichen Entscheidung, die Welt veränderte. Zurück zum Finale 1996 in Atlanta.

Die einzige Chance der USA war ein perfekter Sprung von Kerri Strug. Es folgten nach ihr noch zwei russische Turnerinnen und sie musste mit ihrem Sprung die Hürde so hoch legen, dass ihr Team gewinnen konnte. Die ersten Sprünge liefen nicht reibungslos und im vorletzten Sprung verletzte sich Kerri Strug bei der Landung am Knöcheln und war kaum noch in der Lage richtig aufzutreten. Alle Hoffnung für die USA schienen dahin.

Mit Schmerzen humpelt Kerri Strug jedoch zurück zum Ausgangspunkt. Konzentriert sich. Beißt auf die Zähne.

Genau kann ich mich an diesen Moment erinnern, als ich mit Freunden damals gebannt vor dem Fernseher saß und die Olympiade verfolgte. Man konnte die Spannung förmlich hören.

Dann nahm hob sie ihre Arme um zu signalisieren, dass sie springen wird. Nahm schwung, rannte los, sprang und landete nach einem komplizierten Sprung auf einem Bein, riß die Arme hoch und beendete damit die Übung. Nachdem die offizielle Zeit abgelaufen war, in der eine Turnerin nach der Landung mit gehobenen Armen stehen bleiben muss, fällt sie mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden.

Ihre Trainer eilen herbei und heben sie hoch und tragen sie von der Matte. Das Publikum applaudiert und der Moderator ist ausser sich.

Schauen Sie sich das nachfolgende Video an und lassen Sie die Emotionen und die Hintregrundreaktionen auf sich wirken. Schauen Sie in die Gesichter der Menschen, der Eltern und der Athletin. Sehen Sie den Schmerz und die Angst in ihren Augen, als sie nach dem verpassten Sprung verletzt zurück zum Ausgangspunkt humpelt.

Direkt nach Ihrem Sieg hat einer der Hauptsponsoren der Olympiade einen Werbespot für sein Produkt, mit der Szene des Sieges gedreht:

Und nun stellen Sie sich einmal die Frage:

Wären Sie zum letzten Sprung angetreten mit einem verletzten Knöcheln hat?

Oder hätten Sie aufgegeben?

Hätten Sie riskiert das Sie sich beim letzten Sprung erheblich verletzen und vielleicht sogar bleibende Schäden zurück behalten könnten, nur um eine Goldmedaille zu gewinnen?

Das Leben prüft uns immer wieder.

Schauen Sie sich aufmerksam die Olympiade 2008 in China an. Mit Sicherheit werden Sie dort auch solche Momente finden. Momente in den Menschen über ihre Grenzen hinaus schreiten, hervortreten aus der Masse und aussergewöhnliches leisten.

Sie heißen nicht Paul Potts oder Kerri Strug, aber Sie haben einen Paul Potts oder eine Kerri Strug in sich. Sie haben den gleichen Willen in sich, wenn Sie wollen.

Auch Sie sind hier um eine besondere Aufgabe zu erfüllen oder um es in den Worten von Paul Potts zu sagen:

Sie sind hier um das zu tun, wofür Sie geboren wurden!

Haben Sie den Mut es zu entdecken und glücklich zu sein?

Den Mut es zu entfalten und raus zu lassen?

Sie können es! Ich glaube an Sie!

Ihr Coach

Nuno F. Assis

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